Informationen für Ärzte - Ergotherapie

Eine Behandlung erfolgt auf Grundlage der Heilmittelverordnung für Maßnahmen der Ergotherapie.

Nach Ausstellung Ihrer Verordnung muss die Behandlung innerhalb von 14 Tagen begonnen werden. Bei medizinischer Notwendigkeit kann die Behandlung auch als Hausbesuch, Heim- oder Einrichtungsbesuch durchgeführt werden.

Für eine einschätzende Diagnostik und Beratung können Sie selbstverständlich auch Einzelstunden verordnen. Die therapeutische Praxis hat gezeigt, dass für eine aussagekräftige Einschätzung ein Zeitraum von drei bis fünf Therapieeinheiten à 45 bis 60 Minuten sinnvoll ist.

Neben der Kostenübernahme im Rahmen des SGB V (Krankenkasse) können auch Finanzierungen über SGB XII (Sozialhilfe) oder SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen) in Frage kommen.

Für die Ergotherapie ergeben sich folgende mögliche Indikations-Gruppen (Auszug aus dem Verzeichnis verordnungsfähiger Heilmittel):

EN1 ZNS-Schädigungen

ZNS-Erkrankungen und/oder Entwicklungsstörungen längstens bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres

  • Zum Beispiel: Schädelhirntrauma, Meningoencephalitis, Zerebrale Blutung, Zerebrale Hypoxie, Cerebralparese, Genetisch bedingte, peri-/postnatale Strukturschäden

Funktionelle/Strukturelle Schädigung

  1. der Körperhaltung, Körperbewegung und Koordination
  2. der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
  3. der kognitionsstützenden und höheren kognitiven Funktionen, wie: Aufmerksamkeit, Konzentration, Ausdauer, psychomotorisches Tempo und Qualität, Handlungsfähigkeit und Problemlösung einschließlich der Praxie

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)

Einschränkung:

  1. der Beweglichkeit, Geschicklichkeit
  2. der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
  3. in der zwischenmenschlichen Interaktion
  4. im Verhalten

Therapieziele

  1. Selbstständigkeit in der altersentsprechenden Versorgung (Ankleiden/Hygiene)
  2. Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und der Geschicklichkeit
  3. Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer
  4. Verbesserung im Verhalten und in zwischenmenschlichen Beziehungen
  5. Erlernen von Kompensationsmechanismen

EN2 ZNS-Schädigungen

ZNS-Erkrankungen nach Vollendung des 18. Lebensjahres

  • Zum Beispiel: Schädelhirntrauma, M. Parkinson, Multiple Sklerose, Apoplex, Blutung, Zerebraler Tumor, Z. n. zerebraler Hypoxie, Cerebralparese

Funktionelle/Strukturelle Schädigung

  1. der Körperhaltung, Körperbewegung und Koordination
  2. der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
  3. der geistigen u. psychischen Funktionen/Stimmungen
  4. des Gesichtsfeldes in Verbindung mit und ohne Neglect
  5. der kognitionsstützenden und höheren kognitiven Funktionen wie: Aufmerksamkeit, Konzentration, Ausdauer, Psychomotorisches Tempo und Qualität, Handlungsfähigkeit und Problemlösung einschließlich der Praxie

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)

  1. der Beweglichkeit, Geschicklichkeit
  2. der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
  3. in der zwischenmenschlichen Interaktion
  4. im Verhalten

Therapieziele

  • Selbstständigkeit in der altersentsprechenden Versorgung (Ankleiden/Hygiene)
  • Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und der Geschicklichkeit
  • Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer
  • Verbesserung im Verhalten und in zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Erlernen von Kompensationsmechanismen

EN3 Rückenmarkserkrankungen

  • Zum Beispiel: Querschnittsyndrom, komplett/inkomplett, Vorderhornschädigungen (z.B. Poliomyelitis), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Funktionelle/Strukturelle Schädigung

  1. in der Koordination und aktiven Körperbewegung bei: Paraparese/Paraplegie und Tetraparese/Tetraplegie
  2. der Sensibilität und Körperwahrnehmung

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)

Einschränkung:

  1. der körperlichen Beweglichkeit und Geschicklichkeit
  2. der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
  3. in der Kommunikation

Therapieziele

  • Selbstständigkeit in der Selbstversorgung (Ankleiden/Hygiene)
  • Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und der Geschicklichkeit
  • Erlernen von Kompensationsmechanismen
  • Wiederherstellung/Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer

EN4 Erkrankungen peripherer Nerven

Periphere Nervenläsionen

  • Zum Beispiel bei: Plexusparese, Periphere Parese, Polyneurophathie

Funktionelle/Strukturelle Schädigung

  1. Störung der Grob- und Feinmotorik, Koordination
  2. Störungen der Sensibilität und Körperwahrnehmung

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)

  1. der körperlichen Beweglichkeit/Geschicklichkeit
  2. der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung

Therapieziele

  • Selbstständigkeit in der Selbstversorgung (Ankleiden/Hygiene)
  • Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und der Geschicklichkeit
  • Erlernen von Kompensationsmechanismen
  • Wiederherstellung/Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer

PS1 Geistige und psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter

Entwicklungsstörungen; Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend

  • Zum Beispiel: Frühkindlicher Autismus, Störung des Sozialverhaltens

Funktionelle/Strukturelle Schädigung

  1. in der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
  2. des psychomotorischen Tempos und der Qualität
  3. der kognitionsstützenden und höheren kognitiven Funktionen
  4. der emotionalen und Willensfunktionen

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)

Einschränkung:

  1. der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
  2. im Verhalten
  3. in der zwischenmenschlichen Interaktion
  4. der Beweglichkeit, Geschicklichkeit

Therapieziele

  • Verbesserung des situationsgerechten Verhaltens
  • Verbesserung der Beziehungsfähigkeit
  • Selbstständigkeit in der altersentsprechenden Selbstversorgung
  • Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer

PS5 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen

Dementielle Syndrome

  • Zum Beispiel: Morbus Alzheimer, insbesondere im Stadium der leichten Demenz

Funktionelle/Strukturelle Schädigung

  1. der Merkfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
  2. der Orientierung zu Raum, Zeit und Personen
  3. der psychomotorischen Funktionen

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)

Einschränkung:

  1. im Verhalten
  2. in der Selbstversorgung
  3. in der zwischenmenschlichen Interaktion
  4. der kognitiven Fähigkeiten
  5. der Beweglichkeit und Geschicklichkeit

Therapieziele

  • Erhalt und Verbesserung der Selbstversorgung
  • Erhalt und Verbesserung kognitiver Funktionen
  • Erhalt und Verbesserung der Orientierung zu Raum, Zeit und Personen

Flyer zur Hilfsmittelversorgung

BVmed Infokarte Hilfsmittel (29,3 KiB)